Woche 46 / 2019

Pilze für Glückspilze


Die Hochsaison der Pilze ist für dieses Jahr vorbei. Auf frische Pilze muss man in der kälteren Jahreszeit nicht verzichten, denn man kann sie mit wenig Aufwand selber anbauen. Martin Müller von der Pilzland GmbH vermittelt in Kursen das notwendige Wissen. «Kurzentschlossene können sich noch für unseren Kurs vom kommenden Samstag, 9. November anmelden – mit etwas Glück können sie dann auf Weihnachten eigene Pilze pflücken», sagt Martin Müller von der Pilzland GmbH. Der 37-Jährige ist in der Welt der Pilze zu Hause und selber ein «vergifteter » Pilzsammler. «Ein Ausdruck, den man in diesem Zusammenhang ja eigentlich nicht verwenden sollte», wie er lachend anfügt. Der gelernte Automatiker und IT-Spezialist ist aber nicht nur ein Pilzsammler, sondern momentan auf dem Weg in die Branche der Pilzproduzenten. Dieser Weg begann anfangs 2019 mit der Übernahme der Thuner Pilzland GmbH durch Martin Müller und seine beiden Partner Christoph Aeschlimann und Christoph Stalder.


Pilzholz und Impfdübel Ihren Anfang nahm die Geschichte in der ehemaligen Schadaugärtnerei in Thun. Seit 2013 produzierten Karin und Tobias Furrer auf einem 280 Quadratmeter grossen Areal Edelpilze sowie das dazu benötigte Material wie Pilzholz und Impfdübel und boten auch Kurse an, in denen sie ihr Wissen weitergaben. Weil die Stadt Thun beschloss, das Areal umzunutzen, wurde der Pachtvertrag nicht mehr verlängert. Karin und Tobias Furrer machten sich zuerst auf die Suche nach einem anderen, nahe gelegenen Areal – als sie nicht fündig wurden, auf die Suche nach geeigneten Nachfolgern. Müller, Aeschlimann und Stalder übernahmen die Firma und mit ihr das bestehende Angebot.

Pilze selber kultivieren
«Bei der Übernahme der Firma haben wir von Karin und Tobias Furrer jede mögliche Unterstützung erhalten und durften vor allem ein grosses Wissen übernehmen», sagt Martin Müller. Ein Wissen, das sie in Kursen ebenfalls weitergeben wollen. «Heutezutage bemühen sich viele Leute um eine gesunde Ernährung», betont Martin Müller, da liege es doch geradezu auf der Hand, Pilze, die durch ihren hohen Wasseranteil kalorienarm seien und wertvolle Ballaststoffe lieferten, mit vergleichsweise wenig Aufwand selber zu züchten. Das Wissen dazu vermittelt Müller in Kursen, die die Pilzland GmbH periodisch anbietet. Ein nächstes Mal am kommenden Samstag in Langenthal. Der Kurs findet bei dem nahe beim Inforama Waldhof gelegenen Bauernhof statt. Wenige Plätze sind noch frei, Kurzentschlossene können sich noch anmelden. «Wir vermitteln viel Wissen zu den Pilzkulturen und arbeiten auch praktisch an Holz und Zuchtsets», verrät Martin Müller. Nach Hause nehmen können alle Teilnehmenden ein beimpftes Holzrugeli und ein beimpftes Indoor-Zuchtset – damit sie mit etwas Glück bereits an Weihnachten die ersten eigenen Pilze geniessen können. Im Kursgeld von 155 Franken sind auch eine ausführliche Dokumentation, das gesamte Material sowie die Verpflegung inbegriffen. Man muss kein Prophet sein, wenn man davon ausgeht, dass es zum Mittagessen ein feines Pilzgericht geben wird. Vorkenntnisse zum Besuch des Kurses brauche es übrigens nicht, er sei geeignet «für alle Leute, die offen für Neues sind», sagt Müller.

Pilzkulturen sind pflegeleicht und ertragsreich
Pilzkulturen sind – wenn sie einmal angelegt sind – sehr pflegeleicht und können ganzjährig betrieben werden. Besonders geeignet für den Eigenanbau sind Edelpilze wie Austernpilze oder Shiitake. Ein passendes Substrat, auf das man eine vorbereitete Pilzbrut in Form von Körnern oder Holzdübeln aufbringen muss, und genügend Feuchtigkeit sind Voraussetzungen für eine erfolgreiche Ernte. Eine Ernte, die garantiert schadstofffreie und frische Pilze hervorbringe, wie Martin Müller betont. Besonders ergiebig sei der Pilzanbau auf einem Holzsubstrat, wie er beispielsweise bei Shiitake-Pilzen erfolge, führt Martin Müller aus.

Pilzzucht ist aufwendig und zeitintensiv
Deutlich aufwendiger als die Pflege ist die Zucht der Pilzkulturen, wie Martin Müller erklärt. Die Zucht erfolgt in einem Pilzlabor, das sich momentan noch im Industriegebiet von Herzogenbuchsee befindet. Zu Beginn werden die Pilze auf Agar-Agar-Platten kultiviert, bis das Myzel des Zuchtpilzes in einem Brutschrank das Nährmedium durchdringt. Anschliessend werden kleine Stückchen der Platte in einem Filtersack mit Getreidekörnern durchmischt, bis auch die Getreidekörner ganz vom Pilz befallen sind. In einem weiteren Schritt wird das durchwachsene Korn in einem Filtersack mit Holzdübeln durchmischt, bis auch diese nach weiteren 2 bis 3 Monaten vom Pilz befallen sind. Dann werden die Dübel in Holzstämme eingeschlagen, je nach Pilzart dauert es dann 10 bis 16 Wochen, bei den Shiitake- Pilzen sogar ein Jahr, bis die ersten Pilze geerntet werden können. «Der gesamte Prozess muss unter absolut hygienischen Verhältnissen erfolgen », betont Müller. Wem diese Prozesse zu aufwendig sind, kann Holzstämme, Holzdübel und weiteres Material direkt bei der Pilzland GmbH beziehen. «Ist die Kultur einmal angelegt, liefert sie bis zu vier Jahre lang regelmässig Pilze.»

Pilzproduktion in Thörigen geplant
Die Pläne der Pilzland GmbH und ihrer drei Eigner reichen allerdings noch weiter. Im Eigen in Thörigen konnte Christoph Aeschlimann vor einiger Zeit in unmittelbarer Nähe zum eigenen Hof ein kleines Bauerngut erwerben. Dort sollen in Zukunft Edelpilze produziert und in der Region vertrieben werden. «Die Umsetzung ist momentan ins Stocken geraten», verrät Martin Müller. Vollautomatisierte technische Einrichtungen seien im Verhältnis zur vorhandenen Produktionsfläche zu teuer, führt Martin Müller aus, deshalb würden die drei Beteiligten im Moment nach günstigeren technischen Möglichkeiten suchen. Es wird also noch etwas Zeit brauchen, bis die ersten Pilze aus Thörigen auf den Markt kommen werden.

THOMAS FÜRST