Woche 3 / 2020

Oberaargauer Geheimtipp


Das Oberaargauer Duo nennt sich «Aeschbibinz» und ist noch ein Geheimtipp. Ihre Auftritte sind rar, stossen aber auf viel Begeisterung. Roland Binz aus Leimiswil erheitert das Publikum mit seinen Geschichten, musikalisch begleitet von Thomas Aeschbacher aus Langenthal am Örgeli. Am 17. Januar sind sie in Lindenholz (Leimiswil) zu sehen und hören. Roland Binz war der letzte Gemeindepräsident von Leimiswil. Im Dezember 2010, wenige Wochen vor der Gemeindefusion mit Madiswil, erfolgte der Schicksalsschlag: Auf dem Fussgängerstreifen vor dem Bären wurde er von einem Automobilisten angefahren und landete mit mehreren Brüchen und einer Schädelfraktur im Spital. Es folgten zahlreiche Operationen und Therapien. Längere Zeit war er ans Bett und an den Rollstuhl gefesselt – es blieb ihm die Welt der Fantasie und er malte sich Geschichten aus. Daraus entstand im Jahr 2012 sein erstes Berndeutschbuch «Alls im Anke». «Nach einem Ereignis wie meinem Unfall ist man hochsensibel, dünnhäutig, emotional. Um das in Worte zu fassen, was man in dieser Situation sagen will und erzählen muss, braucht man feinste Nuancen, die für mich nur im Dialekt möglich sind» erzählt er rückblickend.


Ab 2015 sass er dann noch für vier Jahre im neuen Madiswiler Gemeinderat. «Weil ich kurz vor der Pension als Schulleiter in der Gartenbauschule Oeschberg stand, hatte ich mehr Zeit, mich für das Dorf zu engagieren.» Er politisierte gerne und setzte sich mit Leib und Seele für das Gemeindewohl ein. «Doch noch mehr als die Politik sind es die Menschen, die mich interessieren.»

Mit der Politik abgeschlossen
Zu den Wahlen 2018 trat Roland Binz dann nicht mehr an. Nach über zwei Jahrzehnten Engagement in Gemeindegremien ist das Kapitel für ihn abgeschlossen. Zu Hause im «Steinhaufen » mit Blick auf den Pilatus widmet er sich nun verstärkt dem Schreiben. Seit 32 Jahren lebt er mit seiner Frau Anita im idyllisch gelegenen Bauernhaus, sie haben drei inzwischen erwachsene Kinder. «Hier fühle ich mich definitiv zu Hause», sagt er, lehnt sich zufrieden zurück und blinzelt in die Sonne. Vor gut einem Jahr erschien dann sein zweites Buch «Bock uf Ankebock» mit schrägen und teilweise erlebten Geschichten. Zusammen mit dem Langenthaler Musiker Thomas Aeschbacher tritt er seither vermehrt vor Publikum auf. Als Duo «Aeschbibinz» erzählt Roland Binz aus seinen Geschichten oder besser: Er führt seine Geschichten auf, musikalisch begleitet von Thomas Aeschbacher am Schwyzerörgeli. Es sind Erzählungen mit feinem Humor und einem «Gspüri» für Land und Leute. Doch sind sie wahr? «Es stimmt de nie aues», schmunzelt er. «Ich brauche nie einen richtigen Namen und es kommt auch die Fantasie zum Tragen. » Ihm liegen vor allem die Charakterköpfe und Aussenseiter am Herzen. Ihn faszinieren Menschen, die zu ihrer Eigenart stehen und die sich die Freiheit nehmen, offen zu denken und zu sprechen. Überhaupt wird in seinen Geschichten deutlich, dass er die darin beschriebenen Figuren mag. Sie sind nicht einfach nur Statisten für eine lustige Anekdote – er haucht ihnen Leben ein und beschreibt sie liebevoll und mit Respekt. Es sind schräge, halbwegs wahre berndeutsche Geschichten «vo üsere Umgäbig und änefür vom Hoger». Roland Binz ist ein genauer Beobachter, fantasievoller Geschichtenerzähler und virtuoser Mundartkünstler.

Virtuose Musik-Häppchen
Die Musik von Thomas Aeschbacher unterstreicht den speziellen Charakter dieser aussergewöhnlichen Anekdoten. Der 53-jährige Musiker umarmt auf seinen Schwyzerörgeli die schrägen Geschichten mal beschwingt, mal melancholisch mit virtuosen Musik- Häppchen. Er fühlt sich in der traditionellen Volksmusik wohl, nimmt sich aber auch die Freiheit, über die Grenzen zu grasen, andere Musikrichtungen einfliessen zu lassen und zu experimentieren. So stand er zum Beispiel auch schon mit Nina Dimitri auf der Bühne. Nachdem Roland Binz in der Sendung «Schnabelweid» im Radio SRF1 zu Gast war, erhielt er entsprechend viele Reaktionen und auch der Auftritt des Duos im vergangenen November im Landgasthof Hirsernbad in Ursenbach (www.kultur-im-zelt.ch) stiess auf Begeisterung. Für die beiden Künstler sind solche Erlebnisse motivierend und sie entschieden sich nun deshalb zu einer weiteren Lesung, dieses Mal in der Wohngemeinde von Roland Binz. Am Freitag, 17. Januar präsentieren die beiden Künstler ihr Werk in den heimeligen Räumlichkeiten des Restaurants Löwen in Lindenholz/ Leimiswil (gleich beim Bahnhof). Lassen Sie diese Gelegenheit nicht entgehen und geniessen Sie die faszinierenden Geschichten ab 20.30 Uhr! Ab 19.30 wird im gleichen Restaurant ein gemütliches Znacht mit Käseschnitten angeboten. Reservationen bitte an Hanspeter Hofer (hoferhanspeter@besonet. ch).

PATRICK BACHMANN