Woche 25 / 2018

Eine vielfältige Institution präsentiert sich


Mit einem Tag der offenen Tür präsentiert sich das Regionale Arbeitszentrum (RAZ) in Herzogenbuchsee am kommenden Samstag der Bevölkerung. Spannende Einblicke in eine interessante Institution, berührende Begegnungen und ein attraktives Rahmenprogramm – es gibt kaum einen Grund, um nicht zu kommen. Rundgang mit Geschäftsleiter Rudolf Andres im Regionalen Arbeitszentrum (RAZ) Herzogenbuchsee. Die Türen zu den Werkstätten öffnen sich automatisch. In der Mechanischen Bearbeitung schauen die meisten Menschen kurz von ihrer Arbeit auf, grüssen freundlich, wechseln noch ein paar kurze Worte mit dem Geschäftsleiter und dem Gast. Dann wenden sie sich wieder konzentriert ihrer Arbeit zu. Man spürt förmlich, dass die Leute gerne hier arbeiten und dass der Umgang zwischen Menschen mit und ohne Beeinträchtigung sehr respektvoll erfolgt. «Das stimmt», bestätigt Geschäftsleiter Rudolf Andres, «unsere Leute arbeiten nicht nur gerne hier, sondern auch sehr exakt, selbständig und mit grosser Motivation.»


Verlässlicher Partner der Industrie
Die Arbeiten, welche von den gut 130 Mitarbeitenden in den beiden Werkstätten im Oberholz und im Heidenmoos ausgeführt werden, sind breit gefächert. Hochkomplexe Produkte, welche in einem Arbeitsgang auf CNC-Maschinen gefertigt werden gehören ebenso dazu wie das Fräsen oder Bohren von Zwischenprodukten, einfachere Montage- oder Verpackungsarbeiten bis hin zu selbstgefertigten Geschenkartikeln, welche im RAZ-Atelier im Zentrum angeboten werden. «Unsere Hauptaufgabe ist es, Menschen mit Beeinträchtigung nicht nur ein ‹Daheim› zu bieten, sondern ihnen auch eine sinnvolle und interessante Beschäftigung zu bieten, die dem Grad ihrer Beeinträchtigung angepasst ist», betont Rudolf Andres. Die Auftragsbücher sind im Moment sehr gut gefüllt. «Unsere Auftragsvorräte reichen bis in den August hinein», sagt der Geschäftsleiter nicht ohne Stolz. Andres verweist darauf, dass das RAZ als verlässlicher Partner der Industrie gelte, der termingerecht und qualitätsbewusst arbeite. Wichtig sei ihm aber die Feststellung, fügt Andres weiter aus, dass das RAZ seine Produkte zu marktgerechten Preisen anbiete: «Wir sind kein Discounter! » Zahlen aus der Jahresrechnung unterstreichen diese Aussage. Rund zwei Drittel des Gesamtertrags von 12 Mio. Franken stammte im vergangenen Jahr aus Produktionserlösen – somit weist die Institution einen bemerkenswert hohen Eigenfinanzierungsgrad aus.

Ein Besuch bei Heiniger
Unter den RAZ-Kunden finden sich mehrere namhafte Firmen. Seit mehr als 40 Jahren gehört etwa die Buchser Heiniger AG dazu, heute stolzer Weltmarktführer im Bereich von professionellen Schafschurprodukten. Einzelne Teile der Schermaschine wie etwa der Schwenkkopf werden im RAZ gefertigt. Ein besonderer Anlass steht noch dieses Jahr in der RAZ-Agenda: Die Mitarbeitenden dürfen nämlich die bekannte Buchser Firma erstmals besuchen.

Wohnheimplätze sind gefragt
So gut es also in den Werkstätten läuft, so gefragt sind auch die Plätze im Wohnheim. Insgesamt 68 Wohnplätze bietet das RAZ seinen Bewohnerinnen und Bewohnern an – mit individueller, der Schwere der Beeinträchtigung angepasster Betreuung. Er gehe davon aus, dass die Nachfrage nach Wohnheimplätzen in Zukunft ansteigen werde, meint Rudolf Andres, denn die Alterstruktur werde auch in «seinem» Bereich zunehmend zum Problem. Weil die Leute immer älter würden, stehe auch das RAZ zunehmend vor der Herausforderung, dass Mitarbeitende in den Werkstätten tendenziell fehlen, während Wohnheimplätze im Gegenzug wohl vermehrt gefragt sein würden. Die Anfänge des RAZ gehen ins Jahr 1969 zurück, als im alten Sekundarschulhaus an der Oberstrasse 5 eine Anlern-/Geschützte Werkstatt eröffnet wurde. Erste Trägerschaft war die «Heilpädagogische Schulvereinigung Herzogenbuchsee». 1972 wurde die Stiftung gegründet, welche 1974 die ersten Werkstätten im Oberholz in Betrieb nehmen konnte. Die Aufnahme der ersten sechs Menschen mit Beeinträchtigung im gemieteten Wohnheim Bernstrasse erfolgte 1980, ein grosser Schritt nach vorne erfolgte dann 1990 mit der Eröffnung des Wohnheims am heutigen Standort im Oberholz.

Spannende Einblicke
Am kommenden Samstag stehen nun die Türen des RAZ Herzogenbuchsee allen Interessierten von 10 bis 16 Uhr offen. In den beiden Produktionsstätten im Oberholz und im Heidenmoos stellen die Mitarbeitenden ihre Leistungsfähigkeit «live» unter Beweis und geben natürlich auch gerne Auskunft darüber, was sie produzieren. Ebenfalls besichtigt werden können das Wohnheim am Oberholzweg 14 und das Atelier am Sonnenplatz. Den Besucherinnen und Besuchern – Rudolf Andres rechnet etwa mit 1000 Gästen – wird an diesem spannenden Tag ein attraktives Rahmenprogramm geboten: Musikalische Unterhaltung mit Enrico Orlandi und seiner Band, Nostalgie-Karussell, Kinderschminken, Ballonkünstler und weitere Attraktionen. Von Standort zu Standort wird man gratis mit dem ehrwürdigen Oldtimer- Bus gefahren und nach der Besichtigung gibt es zur Stärkung eine Gratis- Bratwurst.

THOMAS FÜRST